Potsdamer Tanztage 2019Potsdam

Dancing Future. Fokus Bauhaus100

 14. Mai bis 26. Mai 2019

Die Potsdamer Tanztage haben sich seit ihrer ersten Ausgabe 1991 als eines der herausragenden internationalen Tanzfestivals in Deutschland etabliert. Für zwölf Tage wird die Landeshauptstadt Brandenburgs zur Bühne der internationalen Tanzszene. Mit knapp 9.000 Besuchern sind die Potsdamer Tanztage das größte Festival für darstellende Kunst im Land Brandenburg. Unter dem Motto «dancing future. Fokus Bauhaus100» spüren die Potsdamer Tanztage den Einflüssen der Bauhaus-Praktiken und -Methoden auf den Tanz und die performativen Künste bis in unsere Zeit nach und befragen heutige Choreographen auf ihre Vorstellungen von Zukunft.

Themen wie die Verhältnisse von Körper und Stadt-Raum, neue Körper(bilder) im Zeitalter künstlicher Intelligenz und digitaler Technologie stehen im Zentrum der programmatischen Betrachtung. Dabei zeigt das internationale Programm auf, dass Prinzipien, Arbeitsweisen und Methoden der Bauhaus-Schule nicht nur in Architektur und Design radikale Veränderungen bewirkten sondern auch den Tanz revolutionierten und neue choreographische und performative Formate hervorbrachten. Neben der Präsentation von Bauhaus-Arbeiten wie der Rekonstruktion des «Triadischen Balletts» von Oscar Schlemmer in der Fassung von Gerhard Bohner & Ivan Liska stehen Werke wie die 2004 entstandene Schlemmer-Hommage «Formas Breves» der Brasilianerin Lia Rodrigues.

Arbeiten von Künstlern, die direkt von ehemaligen Bauhaus-Lehrern beeinflusst wurden, bilden einen weiteren wesentlichen Teil des Programms. So die Rekonstruktion eines der bahnbrechenden Werke der 60er Jahre in den USA, «parades & changes» der Choreographin Anna Halprin zum Musikscore des Elektropioniers Morton Subotnick in der Rekonstruktion der französischen Choreographin Anne Collod oder die Werke für präpariertes Klavier von John Cage, die den Schweizer Thomas Hauert zu seinem Stück für junges Publikum «Danse étoffée sur musique déguisée» inspirierten.

Fester Bestandteil des Festivals sind neben den Vorstellungen und zahlreichen Konzerten auch Workshops und Tanzlabore, die sich ebenso an interessierte Laien wie an professionelle Tänzer richten.

Festival Made in Potsdam

Reisende Körper im Außen

Kurzfilme von Oscar Loeser

Die fabrik präsentiert mit fünf Video-Arbeiten einen Rückblick auf das vielseitige filmkünstlerische Schaffen des Filmemachers Oscar Loeser. In drei Filmen zeigen sich sein bereits früh formuliertes Interesse an choreografischem Material und sein verspielter, zugleich präziser Blick auf die Beziehungen von Körper und Umwelt (Jardin des Plantes, Breaking, As fare as the eye can hear). Daneben spiegelt Loeser in zwei experimentell-dokumentarischen Arbeiten (Palast und Grenzverläufe) Versatzstücke und Erinnerungs-Splitter zur Geschichte der deutschen Teilung und Wiedervereinigung.

EINTRITT FREI

Mi, 9. Januar 19 Uhr Fabrik Café

Feeding Back (Vorpremiere)

David Brandstätter & Malgven Gerbes / shifts (Berlin/Le Havre)

Die Digitalisierung ist ein unvermeidbares Thema in unserer Gesellschaft. Dieser Prozess informiert uns so sehr, wie er uns manipuliert. Welche Mechanismen gibt es im digitalen Zeitalter? Wo liegt unsere Verantwortung als Nutzer? Feeding Back ist ein Stück für fünf PerformerInnen, einen Gast und das Publikum – ein Dialog über sozialen Widerstand, eine engagierte Choreographie über die Strategien, die wir noch erfinden müssen, um autonome Wesen zu bleiben. Im Anschluss an die Aufführung werden die durch die Performance gewonnenen Erkenntnisse von einem eingeladenen Gast (Sophia Pietryga) im Austausch mit dem Publikum diskutiert und neu formuliert. An einem anderen Ort (im Kunstraum, 11.01. um 19 Uhr) wird das Stück zwei Tage später unter dem Namen "Feedback: Potsdam" in einer neuen Choreographie von Sophia Pietryga präsentiert, die so die Arbeit transformiert und zu weiteren Interpretationen einlädt!

Mi, 9. Januar 19:30 Uhr fabrik Potsdam - Große Bühne

Eine Frage der Zeit

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Photo: Michael Lüder

Vernissage: Do 10. Januar 2019, 20:00 Die Ausstellung läuft bis zum So 17. Februar 2019, Mi-So, 13:00-18:00

In den vergangenen drei Jahren und für mindestens fünf weitere hat sich das Rechenzentrum als eine wichtige Produktionsstätte der Kunst-, Kultur- und Kreativbranche der Stadt etabliert. Zum Festival Made in Potsdam zeigt der Kunstraum Arbeiten von 22 KünstlerInnen, die ihren Schaffensort im Rechenzentrum haben und somit Teil der Potsdamer sind. Bewusst wird ein temporärer Zustand festgehalten, werden Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Ausdrucksformen, die sich im Rechenzentrum finden, zueinander gestellt. Von klassischer Malerei, Konzeptkunst bis hin zur Performance zeigt sich ausschnitthaft die Vielfalt des Kunstschaffens in der Potsdamer Mitte.

Mit Arbeiten von: Dreimeterturm, R. Fischer, N. Fritz, Y. Harkanyi, L. Kaiser, I. Klauck, A. Korejba, R. Lindebaum, M. Lüder, A. Maecker, M. Noll, K. Ollroge, I. Pehla, S. Pietryga, M. Raesch/M. Louvel, J. Ruge, J. Scheel, C. Stötzner, E. Ternovaja, B. Thieme, Uniater, J. van Dijk, M. Veldhuis, J. Waluszko, S. Westphal

EINTRITT FREI

Do, 10. Januar 20 Uhr Kunstraum

Raw light

Anna Nowicka (Berlin/Warschau)

Aus der Dunkelheit entpuppt sich ein Körper, dessen schnelle, mechanische Bewegungen das menschliche Wesen verschwimmen lassen. Arme und Beine scheinen ein Eigenleben zu entwickeln, während der Kopf mit kindlicher Naivität folgt. Wer steuert hier wen? Raw Light entsteht aus dem starken Wunsch Anna Nowickas, allein auf der Bühne zu sein. Ihr Fokus liegt auf Imagination, Aufmerksamkeit, Träumen und der Wirkung von Bildern, die den Körper erweitern. Eine physische Solo-Reise aus flimmernden Momenten, die zwischen Realem und Imaginiertem wechseln und vielschichtige Bewegungsqualitäten hervorbringen. Selbst in der Stille liegt eine vibrierende Intensität.

Do, 10. Januar 20:30 Uhr Sa, 12. Januar 19:30 Uhr T-Werk

Trip - Henn Miller's Music Van

Im hinteren Teil ist Platz für einige Passagiere. Es ist der Beginn eines Roadtrips. Henn Miller nutzt den Van als Klangraum, Instrument und Bühne. Live-Looping von perkussiven Klängen, elektronischen und akustischen Instrumenten. Man hört: Türen schließen, zerschlagene Fenster, Motoren, Vibrationen und Metallgeräusche. Ein improvisierter Soundtrack, inspiriert von legendären Roadmovies wie Vanishing Point, Thelma and Louise und Easy Rider. Steig in den Van!

Konzept und Performance: Henn Miller und Gast Dauer: ca 20 Minuten ( 19:00Uhr bis 23:00Uhr)

Fr, 11. Januar 19 Uhr Sa, 12. Januar 19 Uhr fabrik Garten

Feedback

David Brandstätter & Malgven Gerbes / shifts (Berlin/Le Havre)

Im Stück Feeding Back am 09.01. haben David Brandstätter und Malgven Gerbes mit fünf PerformerInnen das Thema der Digitalisierung und ein Dialog über sozialen Widerstand inszeniert. Im Anschluss an die Aufführung wurden die durch die Performance gewonnenen Erkenntnisse von einem eingeladenen Gast (Sophia Pietryga) im Austausch mit dem Publikum diskutiert und neu formuliert.
Im Kunstraum wird das Stück unter dem Namen "Feedback: Potsdam" in einer neuen Choreographie von diesem Gast präsentiert, der so die Arbeit transformiert und zu weiteren Interpretationen einlädt!

Fr, 11. Januar 19 Uhr Kunstraum

Le Grand continental - Der Film

Filmpremiere

Als Europapremiere im Mai 2018 war Le Grand Continental von Sylvain Émard eine Aufführung voller Tanzfreude und Lebenslust mit einem Ensemble aus BewohnerInnen der Stadt und der Umgebung... und mehr als 1.500 ZuschauerInnen im Lustgarten! Bei Made in Potsdam zeigt die fabrik das 30-minütige Stück noch mal auf großer Leinwand. Der Video-Künstler Oscar Loeser dokumentierte die inoffizielle Eröffnung der Potsdamer Tanztage 2018 und filmte zugleich das größte Amateur-Tanzprojekt in der Geschichte der fabrik. Die Film-Premiere ist der fabrik ein willkommener Anlass, das Ereignis zu feiern und einen Blick voraus auf das Amateurtanzprojekt der Potsdamer Tanztage 2019 zu werfen.

Mit DJ Illvibe lädt die fabrik im Anschluss an die Film-Premiere „Le Grand Continental“ zur Party mit Lichtprojektionen von O. Loeser und C. Kowalski.

Filmaufnahmen und Schnitt: Oscar Loeser

Fr, 11. Januar 21:30 Uhr fabrik Potsdam - Große Bühne

Da Capo ( Deutschlandspremiere)

Yui Kawaguchi & Aki Takase (Berlin)

Anfang des 20. Jahrhunderts brach Madame Hanako (1868-1945) nach Europa auf und löste dort mit ihrer Körperkunst beklemmende Bewunderung aus. Zwischen Migration und Emanzipation, Faszination und Befremden, hatte diese ehemalige Geisha ein ungewöhnliches Schicksal. Auch Rodin war gefesselt vom Ausdruck der Japanerin und suchte diesen in aufreibenden Portrait-Sitzungen einzufangen... Inspiriert von ihrer Geschichte thematisieren die Choreographin Yui Kawaguchi und die Ausnahme-Pianistin Aki Takase das Gefühl der Fremdheit und zelebrieren das Aufeinanderprallen von Kulturen und Kunstformen. Zusammen mit dem französischen Klarinettisten Louis Sclavis, dem Berliner DJ Illvibe und dem Tänzer Kofie da Vibe spielen sie mit Verfälschung, Klischees und Exotisierung. Tänzerisch und musikalisch treffen die unterschiedlichsten Formen aufeinander. Jazz, Neue Musik, Folklore Imaginaire, HipHop und elektronische Klänge schaffen Momente der Interpretation, Annäherung und Aneignung des Fremden und brechen lustvoll mit Erwartungen.

Sa, 12. Januar 20:45 Uhr fabrik Potsdam - Große Bühne

Manja Präkels & Der singende Tresen

Lesung mit musikalischer Begleitung

Manja Präkels, 1974 in Zehdenick/Mark geboren, erzählt in ihrem preisgekrönten Debütroman „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ vom Verschwinden der DDR in einem brandenburgischen Kleinstadtidyll, dem Auftauchen verloren geglaubter Gespenster, von Freundschaft und Wut. Landleben zwischen Lethargie und Lebenslust. Mimi und Oliver sind Nachbarskinder und gute Freunde, mit dem Fall der Mauer verändert sich alles. Oliver wird unter dem Kampfnamen Hitler zu einem Anführer marodierender Jugendbanden… Musikalisch wird die Lesung von der hochgelobten Berliner Band "Der singende Tresen" begleitet, deren Sängerin Manja Präkels ist. Sie spielen Post-Punk, Klezmer und Chansons auf ihre Weise und erzählen Randgeschichten, die nicht am Rand passieren - fernab jeglicher Popstrukturen.

Die Lesung findet in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Viktoriagarten statt.

So, 13. Januar 11 Uhr fabrik Café

El Cuerpo Vacío

Bis zu welchem Moment kann der Körper frei sein, leer sein? Frei von Gewohnheiten, von Erinnerungen, von Wünschen und Sehnsüchten? Der leere Körper ("el cuerpo vacío") kann neu gefühlt, bewegt, gedacht und wahrgenommen werden... Zwei Brüder im Dialog schaffen neue Erinnerungen, erleben Begegnung, erkunden den Raum und finden Abenteuer und Poesie. Cuatro X Cuatro sehen ihre Arbeit auch in einem politischen Kontext. Sie emanzipieren den Körper als Subjekt und setzen ihn in Beziehung zur Musik, dem Raum, der Bewegung. Cuatro X Cuatro ist eine Gruppe von KünstlerInnen, die sich der Forschung und dem Experiment widmen. In ihren Arbeiten verbinden sie auf sehr bildstarke, poetische und politische Art und Weise Physis, Choreografie, Sprache, Architektur, Farbe und Klang.

Di, 16. April 20 Uhr Mi, 22. Mai 21 Uhr T-Werk

Das Triadische Ballett

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Das Triadische Ballett Photo: Wilfried Hösl

»Das Triadische Ballett« hat Tanzgeschichte geschrieben. Mit visionärer Kraft hat dieses Jahrhundertwerk des Bauhauskünstlers Oskar Schlemmer (1888-1943) die Grundkoordinaten des Tanzes neu ausgerichtet.

Die Choreografie hat mitsamt ihrer legendären Kostüme ganze Generationen von Künstlern bis heute inspiriert. Die originale Choreografie ist nicht erhalten. Der Ausnahmekünstler Gerhard Bohner (1936-92) schuf, zusammen mit dem Komponisten Hans-Joachim Hespos (geb. 1938), im Auftrag der Akademie der Künste Berlin-West 1977 eine Rekonstruktion des Balletts. Ivan Liska und Colleen Scott haben diese 2014 für das Bayerische Jugendballett neu einstudiert.

Das Libretto zeigt 12 Charaktere in 18 Kostümen. Oskar Schlemmer orientierte sich an der Tanz- und Theatergeschichte und zeigt heiter-burleske Stimmungen mit künstlichen Menschen, Anlehnungen an das klassische Ballett sowie mystisch-phantastische Maskentänze. Schlemmer war Maler, Bildhauer, Tänzer, Choreograf, Regisseur, Pädagoge und Dichter. Seine besondere Leistung war die Erneuerung des Menschenbilds nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs. Das Festhalten an einer »gereinigten Kunstfigur« bleibt bedeutende Botschaft seines Werkes.

Ivan Liska und seine Frau Colleen Scott gehörten zu der originalen Besetzung Gerhard Bohners und haben das Stück zwischen 1977 und 1989 in 85 Aufführungen in 32 verschiedenen Theatern in Europa, Nordamerika und Japan getanzt.

Di, 14. Mai 19:30 Uhr Mi, 15. Mai 20 Uhr Do, 16. Mai 19:30 Uhr Hans-Otto-Theater Potsdam

Formas Breves

Formas Breves ist ein imaginärer Ort, an dem das unwahrscheinliche Treffen zweier mythischer Künstler stattfindet: Oskar Schlemmer (1888-1943), Mitbegründer des Bauhaus, und Italo Calvino (1923-1985), einem der größten Schriftsteller der italienischen Literatur. Gemeinsam war ihnen die Reflexion über den Menschen und seine Zukunft und die Erforschung der Strukturen hinter dem künstlerischen Schaffen. "Die verschiedenen Sequenzen in diesem Stück zeichnen sich durch ein perfektes Gleichgewicht zwischen Ruhe und Bewegung aus (...): Es geht um eine überwältigende und möglicherweise unwiederholbare Demonstration dessen, was der Körper ist und zu was er fähig ist. Lia Rodrigues bleibt Oskar Schlemmer dank der Strenge, der Zurückhaltung und der Klarheit ihrer Formas Breves sehr nah." (J. Schmidt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.08.2002) Formas Breves wurde 2002 uraufgeführt und 2004 in der fabrik Potsdam präsentiert. Zum Bauhaus-Jubiläum zeigt Lia Rodrigues hier das Stück zum ersten Mal seit 10 Jahren wieder.

Mi, 15. Mai 19:30 Uhr Do, 16. Mai 20:45 Uhr fabrik große Bühne

How to proceed

Im Jahr 2018 feierte Thomas Hauert das 20-jährige Bestehen seiner Company. Geprägt von einer seltenen, gegenseitigen Loyalität zu seinen TänzerInnen schuf Hauert ein Stück mit ihnen, für sie und über sie. Gemeinsam verweben sie die vielfältigen Fäden ihrer Träume und Utopien zu komplexen und gespannten Rahmen. Dabei inszeniert How to Proceed den Prozess der Kreation, der immer in ein gewisses Geheimnis gehüllt ist... Thomas Hauert präsentiert eine Hommage an die Menschen, die ihn begleiten, und an diejenigen, deren choreografisches Schreiben seit jeher auf kollektiver und individueller Offenheit basiert. Gemeinsam geben sie Zeugnis von einem unbegrenzten Vertrauen in den Tanz und in die ewige Entwicklung eines niemals fixierten Werkes.

Fr, 17. Mai 20 Uhr Sa, 18. Mai 19:30 Uhr fabrik große Bühne

WOMB - 3D Tanzfilm

Mit einem lauten Plop durchbrechen drei Menschen eine himmelblaue Wand und finden sich in einer bunten Welt, die an Tapete der 70er Jahre erinnert. Zwischen Kulissen, Flowerpower und Jackson Pollock-ähnlichen Farbklecksen bewegen sich die Figuren von der Fülle in die Leere – von der Enge bis zur schwerelosen Dunkelheit. WOMB wurde für die 3D-Technologie konzipiert, entwickelt und verfolgt eine weitreichende Strategie. Der Schweizer Choreograf Gilles Jobin spielt mit Proportionen, Raum, Farben, Perspektiven und Sehgewohnheiten. Das Publikum wird immer wieder überrascht und in das farbenreiche Universum der drei TänzerInnen hineingezogen. Beim Dance Film Festival 2017 hat das Werk den Preis für den besten Art-Experimental Film gewonnen.

Fr, 17. Mai 21:30 Uhr So, 19. Mai 20:30 Uhr Di, 21. Mai 21 Uhr fabrik Garten

Demonstrate Restraint

Mit Demonstrate Restraint kehrt die israelische Choreografin Yasmeen Godder auf die Bühne zurück. Gemeinsam mit der Musikerin, Vokalistin und Komponistin Tomer Damsky verkörpert und dekonstruiert sie Bilder, Begriffe, Klänge und Symbole aus dem politischen Kontext Israels. Für sie stehen sich zwei Aspekte gegenüber: Einerseits der Wunsch, lauthals zu protestieren und sich mit aller Kraft zu engagieren und andererseits die eigene Zurückhaltung sowie der Zweifel darüber, was sagbar ist. Mit Tanz, Musik und Gesang entwirft das Duo ein kraftstrotzendes Spiel zwischen lautem Protest und Momenten, in denen sie verstummen. Dabei entwickeln sie Taktiken, als Performerinnen höchst aufgeladene Themen zu durchdringen. Yasmeen Godder gewann 2001 den renommierten Bessie Award, gefolgt von einer Vielzahl anderer internationaler Auszeichnungen. Bei den Potsdamer Tanztagen präsentierte sie zuletzt ihre Stücke Common Emotions und Simple Action.

Sa, 18. Mai 20:45 Uhr So, 19. Mai 19:30 Uhr T-Werk

Danse étoffée sur musique déguisée (5+)

Hier ist Nichts normal oder: Alles ist besonders! Ein Piano mit Schrauben, Plastikteilen und Gummibändern zwischen den Saiten und ein Tänzer ausgestattet mit bunten Luftballons aller Fasson zeigen ein außergewöhnliches Stück für junges Publikum. Zu John Cages "Sonatas and Interludes for Prepared Piano", die in ungewohnte Klangkompositionen entführen, bewegt sich Mat Voorter in ständiger Verwandlung – eingehüllt in Bettlaken, verschlungen in Luftballons oder bestückt mit Besenstielen. Mal gleicht er fast einem Insekt, mal einer kantigen Skulptur. Danse étoffée sur Musique déguisée, was übersetzt so viel wie "erweiterter Tanz auf verkleideter Musik" heißt, ist eine hinreißend leichte Performance voll Schönheit und Witz, ausgehend von purer Bewegungslust im Dialog mit allerlei Gegenständen. Mit Danse étoffée sur Musique déguisée schuf Thomas Hauert sein erstes Stück für Kinder.

So, 19. Mai 16 Uhr Mo, 20. Mai 11:30 Uhr Waschhaus Arena

Parades & Changes, Replay in Expansion

Dancing Future - 100 Jahre Bauhaus

Mit Alltagsbewegungen, die durch sehr einfache Anweisungen verändert werden, überqueren die PerformerInnen die Bühne in einer Folge von Paraden. Klangkörper, Objekte, gedehnte Tempi und zahlreiche sensorische Zustände bilden eine "Zeremonie des Vertrauens". Mitte der 40er Jahre begann die Choreografin Anna Halprin in Kalifornien eines der radikalsten künstlerischen Abenteuer des 20. Jahrhunderts. Sie legte den Grundstein für die Kunst der Performance und öffnete damit ein weites Experimentierfeld für den amerikanischen postmodernen Tanz. Anne Collod lud eine Gruppe bedeutender europäischer und amerikanischer ChoreografInnen ein, um sich das Experiment Parades & Changes wieder anzueignen. Im Dialog mit Anna Halprin und dem Komponisten Morton Subotnick stellen sie die Partituren dieses Werkes nach und bieten erstmals seit den 60er Jahren eine völlige Neuinterpretation des Stückes dar, das in den USA wegen der Verwendung von Nacktheit 25 Jahre lang verboten war. Parades & Changes, Replay in Expansion präsentiert eine vollständige Version aller Scores der 60er Jahre und öffnet die Performance mit vier Circus-Künstlern in die dritte Dimension.

Mo, 20. Mai 19:30 Uhr fabrik große Bühne

Dance Clinic

"Imagine a future where dance meets technology" – so begrüßt der selbsternannte Doktor Choy Ka Fai auf einer großen Leinwand das Publikum. In der futuristischen Dance Clinic werden Diagnosen wie Präsenzschwäche mithilfe der künstlichen Intelligenz Ember Jello kuriert. Damit lässt sich Tanz und kreatives Potenzial bemessen und automatisch verbessern. Ein Segen, schließlich leiden nicht nur die PerformerInnen an den Schaffenskrisen, sondern schlussendlich auch die ZuschauerInnen darunter. Doch wozu braucht man überhaupt noch Publikum und wer versichert choreografische Krankheiten? In seiner medialen Tanzperformance hinterfragt der Choreograf und Designer Choy Ka Fai ironisch und mit Einsatz von 3D-Avataren die aktuellen Entwicklungen im Zeitgenössischen Tanz. 2010 wurde er mit dem Young Artist Award ausgezeichnet und seine Werke wurden auf der Architektur-Biennale in Venedig ausgestellt. (Stück auf leicht verständlichem Englisch)

Mi, 22. Mai 19:30 Uhr Do, 23. Mai 20:45 Uhr fabrik große Bühne

Lento e Largo

Ein kleiner Roboter betritt die Bühne, spricht ins Mikrofon. Fünf Menschen robben zu einem Wasserbecken, begleitet von Drohnen... Die Welt von Lento e Largo scheint aus dem Rahmen gefallen zu sein – auf einer anderen Erde oder in einer fernen Zukunft. Jonas Lopez und Lander Patrick setzen Roboter und menschliche PerformerInnen ein, um eine Utopie à la Hieronymus Bosch zu schaffen. Sie kommunizieren, tanzen, küssen, agieren und gehorchen als Gleichgestellte. Sie erforschen sich gegenseitig, ertasten ihre Grenzen und Besonderheiten. Wie im Bauhaus untersuchen die Choreografen die Beziehung zwischen Mensch und Maschine. Sie hinterfragen humorvoll die Grenzen der Systematisierung und verwischen die Rollenverteilung. Lento und Largo (langsam und breit) sind spezifische Qualitäten der klassischen Musik – es entsteht das Bild einer Welt, die nach langer Zeit eine Symbiose zwischen Biologie und Technologie geschaffen hat. Utopie, Dystopie oder einfach nur Harmonie?

Do, 23. Mai 19 Uhr Fr, 24. Mai 21 Uhr Waschhaus Arena

Running Piece

Running Piece ist ein Werk für Tänzer und Laufband. Auf diesem engen, aber unendlichen Raum reist ein Mensch, ohne zu gehen und bewegt sich durch die Situationen und Momente, die uns definieren. Auf dem Weg der Menschlichkeit und Zivilisation oder auf dem Weg zur Arbeit sind wir die hoffnungsvollen Jogger, die übermächtigen Multitasker, die zwanghaft Verspäteten. Running Piece belegt unsere Neigung, ständig unseren Schwanz zu jagen und unser immerwährendes Streben nach der göttlichen Erhabenheit der Geschäftigkeit. Die Verbindung aus Kunst und Technik erlaubt uns einen Blick auf die ineffiziente Alltäglichkeit, in der der Mensch gefangen ist, die kleine Momente vollkommener Nutzlosigkeit erhaschen lässt, neben dem Sehnen, in Allem einen Sinn zu erkennen.

Fr, 24. Mai 19:30 Uhr Sa, 25. Mai 19:30 Uhr T-Werk

Let Me Change Your Name

Oszillierende Farbigkeit, kraftvolle Energie, virtuoser Tanz und humorvolle Bewegungssprache zeichnen die Stücke von Eun-Me Ahn aus. Die südkoreanische Choreografin, zurzeit assoziierte Künstlerin des Théâtre de la Ville in Paris, hinterfragt in Let Me Change Your Name die Identität und den Platz des Einzelnen in der modernen Gesellschaft, indem sie mit Rollentausch und Kontrasten spielt. Zwischen Dunkelheit und grellen Lichtern, schwarz-weißen und leuchtend farbigen Kostümen, Ritual und Modenschau, setzt sich die Bewegung durch, repetitiv, manchmal hypnotisch bis zur Trance. In einem erstaunlichen Rhythmus wechseln die neun DarstellerInnen Kostüme, Rollen und Geschlechter. Sie tanzen bis sie sich in der Bewegung vergessen, um gemeinsam einen einzigartigen Körper zu schaffen. Und doch sind sie mit ihrer Persönlichkeit laut und deutlich. Eun-Me Ahn ist Botschafterin für die Lebendigkeit und Kreativität der zeitgenössischen Koreanischen Tanzszene.

Fr, 24. Mai 19:30 Uhr Nikolaisaal

Spring

Spring, der letzte Teil der Trilogie von Gandini Juggling, stellt sich der besonderen Herausforderung, Jonglage und Tanz auf der Bühne zu vereinen. Es ist ein Stück entstanden, das durch seine Körperlichkeit und seine grafische Wirkung überrascht. Spring stellt die Frage nach der Natur der Farbe und wie wir sie wahrnehmen. In einer Choreografie von Alexander Whitley (u.a. Hauschoreograf von Sadler's Wells, Arbeiten für Royal Ballet London) und mit Musik von Gabriel Prokofiev, Enkel des berühmten Sergej, scheint Spring an optische Lehren und Experimente des Bauhaus anzuknüpfen. Beginnend in schwarz-weiß, fächert das Bühnengeschehen ein immer breiteres Spektrum von Farben auf. Die fünf Jongleure und vier TänzerInnen hinterfragen die Wirkung von Bewegung und Körperlichkeit, gestalten und ergänzen sie mit farbigen Elementen und spielen mit Rhythmen und Formen in allen Dimensionen.

Sa, 25. Mai 20 Uhr So, 26. Mai 16 Uhr fabrik Potsdam

Veranstalter, Informationen und Kartenservice

Veranstalter und Informationen

fabrik Potsdam
Schiffbauergasse 10
14406 Potsdam
Tel: 0331-2800314
Fax: 0331-240924
E-mail: contact@fabrikpotsdam.de
www.potsdamer-tanztage.de
www.fabrikpotsdam.de

Kartenservice

Tel: 0331-240923

Anreise und Touristinformation

Bahn: Ab Berlin RE 1 oder S 7 bis Potsdam Hbf, weiter mit Tramlinien 93, 94 und 99

Tourist-Info am Alten Markt
Luisenplatz 3, und im Hauptbahnhof
Tel: 0331-27558899
www.potsdamtourismus.de