Konzert in der Orangerie vergrößern
(Photo: St. Gloede)

Erde, Feuer, Wasser, Luft

Vom 9. bis 25. Juni widmen sich die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci den vielfältigen Verbindungen zwischen Erde, Feuer, Wasser, Luft und Musik. In Potsdams Schlössern und Gärten werden die Elemente von Künstlern aus 23 Ländern in über 80 Konzerten, Opern und Führungen musikalisch ausgelotet. Ob bei feurig spanischer Barockoper, einer luftigen Sanssouci Jazznacht, beim Fahrradkonzert, den Babelsberger Wassermusiken oder bei exklusiven Hausmusiken am Wasser – die Musik ist ganz in ihrem Element!
Im Herzen des Park Sanssouci umarmen vier Statuen die Große Fontäne, es sind die allegorischen Figuren von Feuer, Wasser, Erde und Luft. Nicht weit davon entfernt, in der Bildergalerie Sanssouci, zeigt Jan Brueghel d.J. in seinem Gemälde Wasser und Erde verkörpert durch Thetis und Ceres; auf dem Dach des Alten Rathauses versucht Atlas die Himmelskugel zu tragen. Es liegt also nahe: Die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci zeigen 2017, wie sich Komponisten, Interpreten, Musiktheoretiker, Wissenschaftler oder Instrumentenbauer im Wandel der Jahrhunderte mit dem Viergespann Feuer, Wasser, Erde und Luft bis heute beschäftigen.

Auswahl aus dem Programm 2017

Musik in ihrem Element

Eröffnungskonzert
Balthasar-Neumann-Chor
Balthasar-Neumann-Ensemble
Olof Boman, Leitung
Feuer, Wasser, Erde, Luft: Urkräfte des Lebens und zugleich unzähmbare Naturgewalten. Zur Eröffnung loten die vereinten Balthasar-Neumann-Ensembles die Vierfalt der Elemente musikalisch aus und setzen dabei auf die elementare Kraft des Gesangs. Mit Monteverdis Orpheus feiern sie die Schönheit der blühenden Erde, mit Carissimis Jonas tauchen sie in einem 20-Minuten-Drama ins sturmbewegte Meer. Das Feuer der Liebe, entfacht vom südamerikanischen Barockmeister Araujo, trägt sie in luftige Himmelshöhen, wo sich in Sven-David Sandströms suggestiven A-cappella-Klängen eine unerhört neue Welt entfaltet. Olof Boman am Pult ist als passionierter Vokalmusik-Spezialist den von Thomas Hengelbrock begründeten Ensembles seit langem verbunden. Ein fulminanter Auftakt mit einem der besten Chöre der Welt.
Nach dem letzten Akkord in der Friedenskirche ist aber noch lange nicht Schluss! Ein Spaziergang durch den Marlygarten führt zum Französischen Rondell zu Füßen der Terrassen von Schloss Sanssouci, wo Feuer, Wasser, Erde und Luft in Marmorgestalt die Große Fontäne umarmen. Mit einem Ritual voller Klänge werden die “Elemente des Lebens” beschworen und geehrt!

Claudio Monteverdi: Il ritorno d’Ulisse

PotsdamNikolaisaal, Potsdam Samstag, 10. Juni 19 Uhr und Montag, 12. Juni 19.30 Uhr

Handspring Puppet Company
Ricercar Consort
Philippe Pierlot, Leitung
Von Elementargewalten und launischen Göttern an immer neue Ufer geworfen und allzeit unterwegs nach Hause, wurde der Seefahrer Odysseus zum Inbegriff des Menschen auf seiner abenteuerlichen Lebensreise. Der südafrikanische Theater- und Filmkünstler William Kentridge beamt Monteverdis Opernhelden ins Heute. In einem Krankenhausbett in Johannesburg ringt Odysseus (verkörpert von einer halb lebensgroßen Puppe) mit dem Tod. Sein Geist, überflutet von Erinnerungen und Visionen, kommt nicht zur Ruhe und fragt sich unentwegt: Wo bin ich? Welche Gegenden umgeben mich? Welche Luft atme ich? Welchen Boden betrete ich?
William Kentridge brachte seine geniale Deutung von Monteverdis Meisterwerk mit dem RICERCAR CONSORT und der HANDSPRING PUPPET COMPANY 1998 erstmals auf die Bühne. Im Zusammenspiel von Sängern und Puppen, zauberhaft animierten Kohlezeichnungen und rasanten Filmsequenzen schafft er einen Bilderstrom, der einen unwiderstehlich in Odysseus’ Welt zieht. Eine Reise durch Raum und Zeit: vom antiken Griechenland über Monteverdis Venedig und das Südafrika der 1990er Jahre bis in das Innerste des Menschen.

William Kentridges legendäre Operninszenierung

Feuer, Wasser, Sturm, Barock!

Feuerwerk hinter der Freiluftbühne vergrößern
Abschlusskonzert mit Feuerwerk (Photo: St. Gloede)

Concerto Copenhagen
Lars Ulrik Mortensen, Leitung
Die Lust der Barockkomponisten am Einfangen der Natur in Tönen hat uns eine Flut herrlicher Musik beschert. Wo die Elemente toben, sind sie in ihrem Element und verwandeln Feuer, Sturm und Meeresbrandung in formvollendete musikalische Gestalten. Dem tollsten Chaos der Musikgeschichte kaum entsprungen, fangen bei Jean-Féry Rebel die Elemente schon echt französisch zu tanzen an. In gleich zwei “Seesturm”-Konzerten peitscht Vivaldi die Solisten zum virtuosen Höhenflug, und Telemann lässt allerlei Meergötter vor Hamburg in den Fluten tollen. Das kurzweilige Programm der Originalklang-Spezialisten von CONCERTO COPENHAGEN lässt wahrlich keine Wünsche offen und ein musikalisch beschwingtes Feuerwerk taucht die nächtlichen Orangerieterrassen in magische Beleuchtung!

Fahrradkonzert

7 Seen, 7 Kirchen, viel Musik und immer am Wasser entlang!

Il diluvio universale

PotsdamFriedenskirche Sanssouci So, 11. Juni 20 Uhr

Cappella Mediterranea
Chœur de chambre de Namur
Leonardo García Alarcón, Leitung
Ein Meisterwerk taucht wieder auf: «Die Sintflut», Oratorium für Soli, Chor und Orchester von Michelangelo Falvetti (1642-1692)
Das Wüten der Elemente als göttliches Strafgericht gestaltet Michelangelo Falvetti, Kapellmeister der Kathedrale von Messina, zu einem eindrucksvollen Fresko von großer dramatischer Wucht und lyrischer Intensität. 2010 erweckten Leonardo García Alarcón und seine Mitstreiter das Meisterwerk eines zu Unrecht vergessenen Komponisten aus dem Archivschlaf und feiern damit international große Erfolge. Eine Entdeckung!

Los Elementos

PotsdamOrangerieschloss Sanssouci Fr, 16. Juni 20 Uhr

Samstag, 17. Juni 20 Uhr
Montag, 19. Juni 20 Uhr
Dienstag, 20. Juni 20 Uhr
Le Tendre Amour, Esteban Mazer, Adrián Schvarzstein u.a.
Ópera von Antonio de Literes (1673-1747)
Die Elemente sind weiblich. Und wie! In Gestalt von vier spanischen Schönen im rauschenden Flamencokleid schlagen sie sich miteinander die Nacht um die Ohren und singen, bis die Morgenröte kommt. Antonio de Literes goss die ewige Geschichte von Widerstreit und Harmonie der Elemente in betörende Musik: sinnlich, zärtlich, von urspanischer Rhythmik explosiv befeuert und eine Liebeserklärung an die weibliche Stimme. Als Deutschland-Premiere zeigen die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci die mitreißende Inszenierung des preisgekrönten Regisseurs Adrián Schvarzstein, mit dem das Ensemble LE TENDRE AMOUR aus Barcelona schon viele Erfolge feierte. Mit einem Feuerwerk an Einfällen macht er die Opernrarität zu einem rasanten Spektakel voller Action, Humor und spanischer Lebenslust. Lassen Sie sich überraschen!

Babelsberger Wassermusiken

PotsdamPark Babelsberg Samstag, 17. Juni ab 14 Uhr

Trio Mandili, German Hornsound, Ludo Mariën, Alexandros Giovanos u.a.

Nach 100 Jahren sprudeln Fürst Pücklers Wasserkünste wieder – das muss gefeiert werden! Erleben Sie den Park Babelsberg in neuer alter Frische bei musikalischen Spaziergängen mit Musikinstrumenten rund ums Wasser, Wasserklangspielen für Kinder und ihre Eltern und einem Picknickkonzert am Tiefen See.

Sansouci Jazznacht – On Air

Konzert vor illuminierter Windmühle vergrößern
Sanssouci Jazznacht (Photo: Stefan Gloede)

Fred Wesley & The News JBs, Motion Trio, Céline Bonacina Trio, Speak Low u.a.

Das Areal am Schloss Sanssouci bildet die spektakuläre Kulisse für eine aerophone Jazznacht. Mit Hilfe von Stimmbändern, Blasinstrumenten und Akkordeons fangen prominente Jazzgrößen mit dem legendären Fred Wesley an der Spitze hier die Luft ein und bringen sie zum Schwingen, bis sie brennt!
Auf mehreren Bühnen – Sommerterrasse Restaurant Mövenpick, Historische Mühle, Nordischer und Sizilianischer Garten, Neue Kammern Sanssouci – wird “open air” oder im stilvollen Saal nonstop Musik gemacht.

Eine kleine Zauberflöte

Donnerstag, 22. Juni 10 Uhr
Freitag, 23. Juni 10 Uhr
Samstag, 24. Juni 16 Uhr
Sonntag, 25. Juni 11 Uhr

Musiktheater für Kinder ab 5 Jahren

Auf der Flucht vor einer Riesenschlange gerät Prinz Tamino in einen Zauberwald. Dort trifft er auf den pfiffigen Vogelfänger Papageno und verliebt sich in das Bild einer wunderschönen Prinzessin. Viele Abenteuer in sternflammenden und sonnenstrahlenden Welten muss Tamino mit Papageno bestehen und durch Wasser und Feuer gehen, um die wirkliche Prinzessin zu gewinnen. Eine magische Flöte hilft ihm dabei. Puppen, ein malendes Zauberwesen und andere Fantasiegestalten spielen mit und lauter “luftige” Blasinstrumente machen die Musik in dieser 60-Minuten-Version von Mozarts berühmtester Oper. Willkommen im Märchenzirkus Sarastro!

Philip Glass: Itaipu – Der singende Stein

PotsdamNikolaisaal, Potsdam Fr, 23. Juni 20 Uhr

Deutsches Filmorchester Babelsberg
NFM Chor Wrocław

Itaipu – das bedeutet in der Sprache der Guaraní-Indianer “der singende Stein”: Ein legendärer Felsbrocken in den Stromschnellen des Paraná, von dem ein einmaliger Klang ausging. Für die Indianer ist dieser Fluss “der Ort, an dem Musik geboren wird”. In 17 Jahren Bauzeit entstand hier an der Grenze zwischen Brasilien und Paraguay ein gewaltiger Staudamm mit einem der größten Wasserkraftwerke der Welt. Philipp Glass inspirierte das Projekt zu einem monumentalen chor-sinfonischen Werk: Maximal Music, die mit energiegeladenen Rhythmen die Gewalt der Wassermassen und der sie bändigenden Technik beschwört und dem Chor Höchstleistungen abverlangt.
Schon auf dem Weg ins Konzert wird Sie ab 19.30 Uhr der Sound des Wassers umbrausen: Mit der Uraufführung der Chor-Performance “Aqua Qua” von David Moss unter Leitung des Komponisten stimmen der Chor des Helmholtz-Gymnasiums und der Generationenchor Potsdam Sie auf das Abenteuer “Itaipu” ein.

Geschwinde, ihr wirbelnden Winde!

PotsdamFriedenskirche Sanssouci Sa, 24. Juni 20 Uhr

Capella Augustina, Vokalakademie Berlin,
Andreas Spering, Leitung

“Das Wort Aria”, erklärte Johann Mattheson, “kömmt Zweifels frey von der Lufft her, nicht nur, weil aller Klang sein Fuhrwerck darin antrifft; sondern auch, weil eine schöne Melodie mit nichts angenehmers, als mit einer süssen, frischen Lufft zu vergleichen ist”. Recht hat er: Man denke nur an Bachs berühmtes “Air”! Mit Wirbelwind und Donnerhall kommt die Luft als musikalisches Urelement bei Telemann und Bach ganz groß heraus. Dafür sorgt die CAPELLA AUGUSTINA nicht zuletzt mit unwiderstehlichem barockem Bläsersound, gekrönt von drei Trompeten. Der luftige Konzertabend gipfelt in einem Musikwettstreit der Götter: Pans eingängige U-Musik trifft auf Phoebus Apollons hohe Kunst. Wer wird gewinnen? Das Publikum hat jedenfalls das doppelte Vergnügen.

Die faszinierenden Vier

Als Leitbild menschlicher Welterkundung ist die Lehre von den vier Elementen quasi die Mutter der Naturwissenschaften. Darum sind die Musikfestspiele 2017 an einem der wichtigsten Wissenschaftsstandorte der Region zu Gast. Der Universitätscampus in Golm, wo der “schwarze Meteorit” der Bibliothek und neue Forschungsgebäude markante architektonische Akzente setzen, wird zum Schauplatz vielfältiger Entdeckungen. Neben Begegnungen mit namhaften Wissenschaftlern erwarten Sie Minikonzerte und spannende Musikperformances: So bringt der Klangforscher Klaus Fessmann das Gedächtnis der Erde aus dem Stein zum Klingen und der geniale Stimmkünstler David Moss hält Ihnen mit seiner “Fire Speech” die abgefahrenste “Vorlesung”, die Sie je hörten. Viel Vergnügen!

Sanssouci Prom Concert: Feuer!

Helena Juntunen, Sun-Hae Im, Ed Lyon,
Brandenburger Symphoniker
Bart Van Reyn, Leitung
Beim stimmungsvollen Open-Air-Konzert erleben Sie eine Schöpfungsgeschichte in Musik und eine Huldigung an das Feuer und seine belebende Energie: mit großen Stimmen und großen Orchesterwerken aus Barock, Klassik und Romantik wie Haydn, Mozart, Beethoven und Sibelius. Da entringen sich dem schlummernden Chaos mit Macht die Elemente, und aus Sibelius’ archaischen Klangwelten werden Himmel, Mond und Sterne geboren, ehe der Mensch staunend die Welt betritt. Prometheus schenkt ihm das Feuer. Mit Beethovens sinfonischem Feuergeist und Mozarts beseeltem Gesang schwingt er sich zu den Sternen auf. Ohne das Feuer der Begeisterung wäre die Welt ein öder Ort. Darum kann ein Festival rund um die schöpferische Kraft der Elemente gar nicht anders zu Ende gehen als mit einer Liebeserklärung an das Feuer, gekrönt von Händels unsterblicher Feuerwerksmusik und einem musikinspirierten Feuerwerk zum Schluss!

Organisatorisches

Veranstalter, Informationen und Kartenservice

Musikfestspiele Potsdam Sanssouci
Wilhelm-Staab-Straße 10/11
14467 Potsdam
Tel: 0331-2888828
service@musikfestspiele-potsdam.de
www.musikfestspiele-potsdam.de

Ticket-Galerie Nikolaisaal Potsdam, PNN-Shop, MAZ-Service, Tourist-Infos der PMSG, CTS eventim

Anfahrt

Verkehrshinweis: Im Anschluss an die abendlichen Konzerte in den Schlössern und Gärten stehen für die Fahrt zum Hauptbahnhof kostenlos Busse bereit.

Fremdenverkehrsinformationen

Tourist-Info am Alten Markt, Luisenplatz 3 und im Hauptbahnhof,
Tel: 0331-27558899
www.potsdamtourismus.de

Zuletzt aktualisiert am: 2017-03-13