
XVII. Rohkunstbau
A T L A N T I S II
Hidden Histories – Imagined Identities
9. Juli bis 12. September 2010
Mit ATLANTIS II - Hidden Histories - Imagined Identities wird Rohkunstbau in seiner diesjährigen Sommerausstellung den zweiten und letzten Teil der Atlantis-Reihe zeigen.
Platons Mythos von Atlantis bildet auch 2010 die spannende Grundlage der aktuellen Rohkunstbau-Ausstellung. In seinen fiktiven Dialogen Timaios und Kritias erörtert Platon anhand unterschiedlicher Modelle die Frage nach der Existenz eines Idealstaates. Basierend auf diesen Thesen beschäftigte sich Rohkunstbau 2009 mit demos, dem egalitären Staatssystem, während der Schwerpunkt der diesjährigen Ausstellung auf aristos, der elitären Staatsform, liegt. Zehn internationale Künstler aus sechs Nationen beschäftigen sich mit der Idee eines Idealstaates und setzen sich kritisch mit der Möglichkeit dessen Realisierung auseinander.
Zum zweiten Mal bildet Schloss Marquardt, idyllisch am Schlänitzsee gelegen, den Schauplatz der Ausstellung. Dieser historische Ort, eingebettet in einen von Peter Joseph Lenné geschaffenen Landschaftsgarten, kann selbst auf eine lange Geschichte zurückblicken und hat die verschiedensten Herrschaftsformen durchlaufen.
Entsprechend dem Rohkunstbau-Konzept, ortsbezogene und zeitgenössische Kunst zu präsentieren, sind die Werke aus Malerei, Fotografie, Installation und Video eigens für den Ausstellungsort entstanden.
WAFAE AHALOUCH EL KERIASTI (Marokko-Niederlande) Zeichnung/Skulptur/Installation
MAT COLLISHAW (Großbritannien) Video/Installation/Fotografie/Skulptur/Malerei
SEAN DAWSON (Großbritannien) Malerei
ORI GERSHT (Israel) Video/Film
NIKLAS GOLDBACH (Deutschland) Video/Film/Installation/Fotografie
CATHY DE MONCHAUX (Großbritannien) Skulptur/Installation
STEFAN ROLOFF (Deutschland) Video/Film/Installation
WILHELM SASNAL (Polen) Malerei/Video/Film
ELISA SIGHICELLI (Italien) Fotografie/Installation
JOHANNA SMIATEK (Deutschland) Objekt/Installation/Zeichnung

(Photo: Arwed Messmer)
Es ist kein Zufall, dass dieses Thema ausgerechnet 2009 und 2010, also 20 Jahre nach dem Mauerfall in Deutschland, gewählt wurde: Das Projekt erinnert an den ersten Abbauarbeiten der Grenzanlagen in Ungarn 1989. Dieser Tag war nicht nur der Start zum Fall des Eisernen Vorhangs in Europa, der Massenflucht vor allem junger DDR-Bürger über Ungarn, die hier ihren Ausgang nahm; er war vor allem die erste geduldete Bruchstelle auf dem Weg zum Untergang eines Systems, dessen Führer ihrem Volk ihre eigenen Ideale nicht zutrauten, und mit diesem negativen Menschenbild keineswegs ein egalitäres, sondern ein diktatorisches System schufen. Das Scheitern des real existierenden Sozialismus basierend auf den sozialistisch-kommunistischen Staatsideen, die ursprünglich eine Idealgesellschaft schaffen sollten, begann nun für jeden sichtbar zu werden.
Diese jüngste deutsche und europäische Geschichte ist schon heute für die Generation der bis 30-Jährigen kaum noch präsent. Ein historischer Ort mit einer durch diesen Zeitabschnitt geprägten Geschichte kann diese Veränderung, Ihre Bezüge zur der im deutschen Sprachraum typischen Identitätssuche zwischen föderalen und zentralistischen Systemen und ihre heutige Bedeutung besonders erlebbar machen. An einem solchen symbolträchtigen Ort wird der XVII. Rohkunstbau die dramatische Teilung Europas und Deutschlands in zwei Systeme eindrucksvoll künstlerisch dokumentieren.
Ausstellung und Festivalveranstaltungen
Aktuelle Informationen entnehmen Sie bitte der Tagespresse oder www.rohkunstbau.de

(Photo: Arwed Messmer)
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